Leads kaufen, Werbung oder Empfehlung: was ein Neukunde als Finanzberater kostet

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 von Marius Stammermann
Neue Kunden kannst du als Finanzberater kaufen, mit Werbung anlocken, kalt anrufen oder über Empfehlungen gewinnen. Jeder Weg hat seinen Preis, nur sieht man ihn unterschiedlich schnell. Hier rechnen wir die Kanäle mit aktuellen Zahlen durch.
Welcher Kanal bringt Finanzberatern die günstigsten Neukunden?
In den meisten Fällen die Empfehlung. Du zahlst nur, wenn ein Kunde kommt, der Kontakt vertraut dir von Anfang an, und empfohlene Kunden bleiben länger. Gekaufte Leads und Werbung kosten Geld, bevor überhaupt jemand mit dir gesprochen hat. Kaltakquise bei Privatpersonen ist ohne Einwilligung verboten.
Wie groß der Abstand bei dir ist, hängt von deinen eigenen Abschlussquoten ab. Belastbare, unabhängige Zahlen dazu gibt es für keinen der Kanäle. Deshalb stehen unten Rechenbeispiele, in die du deine Werte einsetzen kannst.
Was kosten gekaufte Leads 2026?
Je nach Sparte zwischen etwa 25 und 180 Euro pro Kontakt. Ein Preisvergleich von finanzleads.com (Stand Oktober 2026) nennt für Leads zur privaten Krankenversicherung 56 bis 162 Euro, für Berufsunfähigkeit 32 bis 78 Euro und für Baufinanzierung 35 bis 67 Euro.
Der Preis hängt stark davon ab, ob der Lead exklusiv ist. Ein Anbieter verlangt für BU-Leads ab 25 Euro, wenn sie geteilt werden, und 55 bis 120 Euro für exklusive. Geteilt heißt: Drei bis fünf andere Berater rufen dieselbe Person an. Wer zuerst anruft, hat die besten Chancen. Wer erst nach zwei, drei Tagen anruft, erreicht laut einem Praxisbericht nur noch rund 30 Prozent statt 60 Prozent.
Wie viele gekaufte Leads werden zu Kunden?
Das weiß niemand genau. Die Angaben stammen fast alle von Leadanbietern selbst und reichen von unter 2 Prozent bei geteilten bis zu 10 oder 12 Prozent bei exklusiven Leads.
Ein Rechenbeispiel mit günstigen Annahmen: Ein exklusiver BU-Lead kostet 80 Euro, jeder zehnte wird Kunde. Dann zahlst du allein für die Kontakte 800 Euro pro Neukunde. Die Zeit für Anrufe, Nachfassen und Termine, die nicht zustande kommen, ist da noch nicht eingerechnet.
Wichtig ist auch die Einwilligung. Rufst du einen gekauften Lead an, musst du nach § 7a UWG nachweisen können, dass er in Werbeanrufe eingewilligt hat. Der Hinweis auf den Leadanbieter entlastet dich nach dem Gesetzestext nicht. Einwilligungen über lange Partnerlisten hat der BGH 2020 für unwirksam erklärt (I ZR 7/16).
Was kostet ein Kunde über Google- oder Facebook-Werbung?
Bei Google zahlst du für Versicherungsbegriffe schnell mehrere Euro pro Klick. Auswertungen aus dem Google Keyword Planner schätzen das Gebot für „berufsunfähigkeitsversicherung“ auf rund 6,50 Euro und für „private krankenversicherung“ auf rund 8,50 Euro pro Klick.
Noch ein Beispiel: Von 100 Klicks auf deine Seite fragen 5 an, von 5 Anfragen wird eine zum Kunden. Bei 6,50 Euro pro Klick kostet dich eine Anfrage 130 Euro und ein Kunde 650 Euro. Die Seite, die Anzeigen und deine Zeit für die Betreuung der Kampagne kommen dazu.
Facebook und Instagram sind pro Klick günstiger. Seit Januar 2025 gelten bei Meta für Finanzprodukte aber Einschränkungen bei der Zielgruppenauswahl. Du kannst also schlechter steuern, wen deine Anzeige erreicht. Ein Vorteil bleibt: Werbung bringt Menschen, die dich vorher nicht kannten, und lässt sich schnell hochfahren.
Darf ich als Finanzberater Kaltakquise am Telefon machen?
Bei Privatpersonen nicht ohne deren vorherige ausdrückliche Einwilligung, so steht es in § 7 Abs. 2 UWG. Bei Gewerbetreibenden reicht eine mutmaßliche Einwilligung, die Hürde ist aber auch dort nicht niedrig.
Die Bundesnetzagentur verfolgt Verstöße. 2025 gingen dort 39.842 Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung ein, über 2.900 davon betrafen Finanzen und Versicherungen. Für unerlaubte Anrufe sind Bußgelder bis 300.000 Euro möglich. Im Mai 2025 traf es ein Unternehmen aus dem Versicherungssektor mit 50.000 Euro. Kaltakquise bei Privatkunden ist damit für Finanzberater kein Kanal, mit dem man rechnen sollte.
Was kostet ein Kunde über eine Empfehlung?
So viel, wie du als Dankeschön festlegst, und das meistens erst, wenn der Kunde da ist. Zahlst du 100 Euro Prämie pro neuem Kunden, kostet dich der Kunde 100 Euro. Bei einer Karte oder einem kleinen Geschenk ist es noch weniger.
Dazu kommt, dass empfohlene Kunden mehr wert sind. Schmitt, Skiera und Van den Bulte haben 2011 rund 10.000 Neukunden einer deutschen Bank ausgewertet. Geworbene Kunden brachten im Schnitt rund 25 Prozent mehr Deckungsbeitrag, der Vorsprung schrumpfte allerdings mit der Zeit. Ihr Abwanderungsrisiko lag rund 18 Prozent niedriger, und dieser Vorteil blieb. Bei 25 Euro Prämie errechneten die Forscher über sechs Jahre eine Rendite von rund 60 Prozent.
Der Haken: Empfehlungen lassen sich schlecht kurzfristig erhöhen. Sie wachsen mit deinem Bestand und damit, wie konsequent du fragst. Wie du anfängst, steht in Empfehlungsmarketing als Finanzberater: die ersten 5 Schritte. Was ein Programm insgesamt kostet, rechnet Was kostet ein Empfehlungsprogramm wirklich? durch.
Die Kanäle im Überblick
- Gekaufte Leads: 25 bis 180 Euro pro Kontakt, Kosten auch ohne Abschluss, Einwilligung musst du selbst nachweisen.
- Google-Werbung: rund 6 bis 9 Euro pro Klick bei Versicherungsbegriffen, schnell skalierbar, braucht eine gute Seite und laufende Pflege.
- Social-Media-Werbung: günstigere Klicks, aber eingeschränkte Zielgruppenauswahl für Finanzprodukte.
- Kaltakquise: bei Privatpersonen ohne Einwilligung verboten, Bußgeld bis 300.000 Euro.
- Empfehlung: Kosten meist erst bei Erfolg, Vertrauen von Anfang an, treuere Kunden, wächst aber langsamer.
Bewertungen fehlen in dieser Liste, weil sie eher überzeugen, als dass sie neue Kontakte bringen. Warum, steht in Empfehlungsprogramm oder Bewertungen.
Was du jetzt tun kannst
- Für die letzten zwölf Monate aufschreiben, über welchen Kanal jeder Neukunde kam.
- Pro Kanal zusammenrechnen, was er gekostet hat, inklusive deiner Zeit.
- Die Kosten durch die Zahl der Neukunden teilen.
- Prüfen, ob du für jeden angerufenen Kontakt eine dokumentierte Einwilligung hast.
- Festlegen, was dir ein Neukunde über Empfehlung wert ist, und daraus dein Dankeschön ableiten.
Stand: 25. Oktober 2026. Leadpreise stammen von Anbieter- und Vergleichsseiten, Klickpreise sind Schätzungen aus dem Google Keyword Planner, die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Empfehlungen, die du siehst und zählen kannst
Mit EmpfehlerWerk bekommt jeder deiner Kunden einen eigenen Empfehlungslink. Der Empfohlene meldet sich selbst bei dir, du siehst jede Empfehlung im Dashboard und legst fest, ab wann es ein Dankeschön gibt.
Für Finanzberater: Die Empfehlungssoftware für Finanzberater
Für den Start: Empfehlungs-Beratung: Wie empfehlenswert bist du?




